Aktuell am Gymnasium Hoheluft

Vorhang auf! Der 10. Jahrgang präsentiert Kleists „Das Erbeben in Chili“

Natürlich kann man sich auf der Bühne mit so gut wie jedem Thema beschäftigen - aber letztlich ist Theater erst mal eines: Drama. Es geht um Liebe und Hass, Tod und Verderben, schöne Poesie und finstere Leidenschaften. Und wer eignet sich dazu mehr als Heinrich von Kleist, der mit seiner Erzählung „Das Erbeben in Chili“ eine wüste (und stellenweise sehr poetische) Erzählung geschrieben hat – unbedingte Leseempfehlung!

Im erzkatholischen Santiago de Chile fängt Josephe, die Tochter „eines der reichsten Edelleute der Stadt“ ein Verhältnis mit ihrem bürgerlichen Hauslehrer Jeronimo an, das entdeckt und sie ins Kloster verfrachtet wird. Doch auch die Klostermauern können die Liebe nicht aufhalten und neun Monate kommt Josephe in aller Öffentlichkeit nieder. Der Skandal ist gewaltig und ihre Enthauptung die zwingende Konsequenz. Doch in dem Moment, in dem der Henker zum finalen Schlag ausholt, bricht ein infernalisches Erdbeben über die Stadt herein. Zusammenfallende Häuser, Brände, Flutwellen. Das berühmte Erdbeben von Lissabon 1755 stand Pate. Die beiden Liebenden können sich durch das Chaos retten und treffen sich vor der Stadt in idyllischer Natur wieder. Auch andere haben es geschafft, man ist froh und dankbar, man hilft sich gegenseitig und es entsteht für einen Moment die Vision einer schrankenlosen Gemeinschaft. Doch machen unsere Liebenden den fatalen Fehler, wieder in die zerstörte Stadt zurückzukehren, um dort einem Dankesgottesdienst beizuwohnen. „Chili“ ist, wie so manchmal bei Kleist, ein virtuoses Spiel mit konträren Polen – was die Erzählung so dramatisch macht. Sie kippt in einem Moment von einem Gegensatz ins andere. Eine Mitte gibt es nicht. Das macht Kleist zu einem spannenden Autor in einer Zeit, die manchmal aus den Fugen zu geraten scheint, in der in jedem Moment die Erregungswellen hochschlagen und die eine Seite die andere verständnislos anschaut.

Wir haben für den Text eine chorische Form gewählt. Also alle sind immer auf der Bühne, sprechen den Text oft im Chor und verkörpern das Erzählte durch Bewegungschoreographien. Manchmal treten Josephe und Jeronimo heraus, die eigentlichen Bewegungen des Stückes aber machen alle gemeinsam. Durch diese „Masse“ und ihre entsprechende Dynamik konnten wir der außerordentlichen Dramatik des Geschehens ansatzweise gerecht werden. Sehr hilfreich dafür war auch die Zusammenarbeit mit dem Musikkurs von Herrn Brinkmann, die die zarten Liebesmomente ebenso vertonten wie das Getöse des Infernos und vieles mehr. Die Künstler:innen aus dem Kurs von Frau Feldmann entwickelten die Plakate und steuerten ein zentrales Requisit bei: das blutbefleckte Tuch, das am Ende übrig bleibt. Eine schöne Sache ist die Zusammenarbeit mit den anderen Kursen der Künste.

Autor: Herr Kreidt